Neue wassergeführte Wärmeverteilung – Kanton Zürich
Der Umstieg von einer elektrischen Widerstandsheizung auf ein wassergeführtes System bedeutet: Die gesamte Wärmeverteilung muss neu geplant und installiert werden. Das betrifft Rohrleitungen, Heizkörper und Regelungstechnik.
Warum eine neue Wärmeverteilung?
Elektroheizungen – ob Speicherheizung, Direktheizung oder elektrische Fussbodenheizung – arbeiten dezentral und ohne hydraulisches Verteilnetz. Jedes Gerät wandelt Strom direkt am Aufstellort in Wärme um. Ein zentrales Heizsystem wie eine Wärmepumpe, eine Pelletheizung oder ein Fernwärmeanschluss hingegen erzeugt die Wärme an einem zentralen Ort und verteilt sie über erwärmtes Wasser im Gebäude.
Die neue Wärmeverteilung ist damit ein zentraler Bestandteil jedes Heizungsersatzes – und oft der aufwendigste Teil des Projekts.
Rohrleitungen: Das Verteilnetz
Die Rohrleitungen transportieren das erwärmte Heizungswasser vom Wärmeerzeuger zu den einzelnen Heizkörpern oder Heizkreisen und das abgekühlte Wasser zurück. Das Leitungsnetz umfasst:
- Hauptleitungen: Verbinden den Wärmeerzeuger mit den Stockwerkverteilern
- Anbindeleitungen: Führen vom Stockwerkverteiler zu den einzelnen Heizkörpern
- Heizkreise: Bei Fussbodenheizungen: die im Boden verlegten Rohrschlaufen
Die Rohre bestehen heute meist aus Kunststoff (Mehrschichtverbundrohr) oder aus einem Materialmix mit guten Dämmeigenschaften. Die Verlegung erfolgt in Wänden und Decken, in Vorwandsystemen, in speziellen Sockelleisten oder – am aufwendigsten – in neu eingefrästen Schlitzen im bestehenden Mauerwerk.
Heizkörper und Wärmeabgabe
Für die Wärmeabgabe in den Räumen stehen zwei grundlegende Systeme zur Wahl:
Radiatoren (Heizkörper)
Wandmontierte oder freistehende Heizkörper geben Wärme über Konvektion und Strahlung ab. Sie sind in verschiedenen Bauformen, Grössen und Farben erhältlich. Moderne Radiatoren können mit niedrigeren Vorlauftemperaturen betrieben werden als ältere Modelle.
Fussbodenheizung
Im Estrich verlegte Rohrschlaufen erwärmen den Boden, der die Wärme als Strahlungswärme an den Raum abgibt. Fussbodenheizungen arbeiten mit sehr niedrigen Vorlauftemperaturen und sind daher besonders gut für Wärmepumpen geeignet.
Zonen und Heizkreise
Ein wassergeführtes Heizsystem wird in Zonen oder Heizkreise unterteilt, die unabhängig voneinander geregelt werden können:
- Raumzonen: Jeder Raum oder zusammenhängende Raumbereich bildet eine Regelzone
- Heizkreise: Bei Fussbodenheizungen umfasst ein Heizkreis in der Regel einen Raum oder einen Teil eines grossen Raums
- Heizkreisverteiler: An zentraler Stelle pro Stockwerk oder Gebäudeteil wird der Heizkreisverteiler montiert. Hier laufen alle Heizkreise zusammen und werden über Stellantriebe gesteuert
Geschossübergänge und Leitungsführung
Die Führung der Rohrleitungen durch Geschossdecken und Wände ist planerisch anspruchsvoll. Mögliche Lösungen:
- Bestehende Schächte: Nutzung von bereits vorhandenen Installationsschächten für Steigleitungen
- Neue Schächte: Erstellung neuer Schächte – erfordert Kernbohrungen und Abstimmung mit der Statik
- Vorwandinstallation: Verkleidung von Wänden, hinter denen Leitungen geführt werden – mit Raumverlust verbunden
- Sockelleistenkanäle: Spezielle Sockelleisten mit integrierten Rohrführungskanälen – weniger aufwendig, aber optisch prägend
Bewohntes Gebäude: Phasenweise Arbeiten
Wenn ein Gebäude während des Heizungsersatzes bewohnt bleibt, sind die Arbeiten an der Wärmeverteilung besonders sorgfältig zu planen. Mögliche Massnahmen:
- Arbeiten raum- oder stockwerkweise durchführen, um Beeinträchtigungen zu minimieren
- Baustaub und Lärm durch geeignete Abschottungen und Arbeitszeiten begrenzen
- Übergangsweise Beheizung der nicht betroffenen Räume sicherstellen (z. B. elektrische Heizlüfter)
- Klare Zeitpläne kommunizieren, wann welche Räume zugänglich sein müssen
Hydraulischer Abgleich
Nach der Installation aller Komponenten steht der hydraulische Abgleich an. Dabei wird sichergestellt, dass jeder Heizkörper und jeder Heizkreis genau die benötigte Wassermenge erhält – nicht mehr und nicht weniger. Ein korrekt durchgeführter hydraulischer Abgleich:
- Sorgt für gleichmässige Wärmeverteilung im ganzen Gebäude
- Verhindert Strömungsgeräusche in den Rohren und Ventilen
- Optimiert die Energieeffizienz des Gesamtsystems
- Ist Voraussetzung für viele Förderprogramme
Regelung und Steuerung
Eine moderne hydraulische Wärmeverteilung wird raumweise oder zonenweise geregelt:
- Raumthermostate: Erfassen die Ist-Temperatur und steuern die Heizkörperventile oder die Stellantriebe der Fussbodenheizung
- Aussentemperaturgeführte Regelung: Passt die Vorlauftemperatur des Wärmeerzeugers an die Aussentemperatur an (Heizkurve)
- Einzelraumregelung: Erlaubt individuelle Temperatureinstellungen pro Raum – komfortabel und energieeffizient
- Heizungs-App: Viele moderne Systeme lassen sich per Smartphone-App steuern und programmieren